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Barmherzige Flüsse

Im Vorjahr haben die Gemeinden Rohrbach und Berg fusioniert, und während das offizielle Gemeindezentrum in Rohrbach liegt, ist das spirituelle Zentrum in Berg – dort ist nämlich die heilige Pforte für das Mühlviertel.

 

Sie gilt als eine Lebensader des Oberen Mühlviertels, doch seit Jahren wird über die Zukunft der Mühlkreisbahn debattiert und fix ist nix. Deshalb ist es gescheit, die Chance noch zu nutzen, denn derzeit bringt einem die ÖBB noch samt Fahrrad in die ebenfalls fusionierte Gemeinde Aigen-Schlägl. Und dort beginnt auch der Mühltalradweg, offiziell am Marktplatz. Aber Achtung: In unregelmäßigen Abständen werden die Radwege in Oberösterreich neu beschildert, die alten Markierungen bleiben meist trotzdem, man sollte sich also durch widersprüchlich scheinende Schilder nicht irritieren lassen und dem eigenen Orientierungssinn vertrauen. Nach einer kurzen Auf- und Abfahrt ist man schon in der Bezirkshauptstadt Rohrbach-Berg. Von der Stadtpfarrkirche geht ein etwa 20-minütiger Weg steil hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Trost, als Radfahrer benutzt man besser die Straße und versäumt daher den Schickanus-Bildstock. Laut Legende sollen dort zwei ledige Schwestern im 18. Jahrhundert zum Heiligen Ivo, Schutzpatron der Advokaten, um einen Ehemann gebeten haben. Aus ihrem Flehen „Heiliger Ivo, schick uns oan“ leitet sich der Name ab. Zur Zeit der Kelten war der Berg oberhalb Rohrbachs übrigens ein keltisches Kultzentrum. Die im Mittelalter auf der Spitze errichtete Burg wurde 1626 während des Bauernkrieges von Bauern geplündert und zerstört. Zum Dank, dass Berg 1645 von den Schweden verschont blieb, erfüllte Graf Theodorich von Rödern sein Gelübde und ließ in den Folgejahren vermutlich an der Stelle der Burgkapelle eine Kirche errichten. Und der Eingang zur Kirche ist die heilige Pforte für das Mühlviertel.

Gotteslob-Recycling

Runter geht es dann viel schneller und überhaupt geht es von nun an bergab. Entlang der Mühl erreicht man nach einer guten Stunde die Donau. Wie das Wasser kann man sich nun auf dem Donauradweg in Richtung Linz treiben lassen. Und dort im Neuen Dom ist auch die letzte der fünf heiligen Pforten von Oberösterreich. Der Bau des Mariä-Empfängnis-Doms in Linz wurde 1855 durch den Linzer Bischof Rudigier veranlasst. 1862 erfolgte die Grundsteinlegung, am 1. Mai 1924 wurde der Dom von Bischof Gföllner geweiht. Fertiggestellt wurde der Bau erst 1935. Wer von hinten die Kathedrale betritt, kann die Pforte nicht verfehlen. Sie wurde vom Designer Sepp Pfeiffer aus Meggenhofen aus alten Gotteslob-Liederbüchern gemacht. Übrigens: Offiziell endet das heilige Jahr am 20. November, dann werden auch die heiligen Pforten geschlossen.

Egal, ob in der kleinen Wallfahrtskirche im oberen Mühlviertel, Maria Trost, oder in der größten Kirche Österreichs, dem Linzer Dom: Nach dem Durchschreiten der Pforte kann man durchaus noch ein wenig im Gotteshaus verweilen — entweder, um zu beten oder um sich auszurasten und Kraft zu sammeln.

 

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Kulturpilgerschaft

Attnang-Puchheim ist bekannt wegen seines Bahnhofes. Etwa zur gleichen Zeit wie die Bahn wurde auch die Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim errichtet. 1951 erhob Papst Pius XII. die Kirche zur Basilika minor. Und genau dort steht die heilige Pforte für das Hausruckviertel.

Attnang-Puchheim eignet sich hervorragend als Startpunkt für Kulturpilger mit dem Fahrrad. Denn die Stadt ist perfekt mit dem Zug zu erreichen — und das schon seit 1860. Die Fahrzeit von Wien nach Salzburg betrug damals allerdings noch neun Stunden. Heute braucht man für diese Strecke nur mehr zweieinhalb Stunden. Und von Linz nach Attnang-Puchheim ist man sogar in einer halben Stunden. Aufgepasst: Wer sein Rad in einem ICE mitnehmen möchte, muss reservieren. Übrigens kann man sein Fahrrad auch bei der privaten „Westbahn“ mitnehmen.
Vom Bahnhof ist es dann nicht mehr weit nach Puchheim. In der dortigen Basilika wurde direkt beim Haupteingang die Pforte der Barmherzigkeit eingerichtet. Obwohl man vermutlich noch gar nicht rastbedüftig ist, lohnt eine Pause samt Rundgang durch Schloss und Park. Die Feste Puchheim wurde 1130 erstmals urkundlich erwähnt, im Jahr 1585 wurde sie ein Raub der Flammen. 1839 kam das Schloss in den Besitz von Erzherzog Maximilian Joseph von Österreich-Este, ein Enkel von Maria Theresia. Er holte 1851 die Redemptoristen von Altötting, die bis heute den Wallfahrtsort betreuen. Im Vorschloss sind die Landesmusikschule, das Bildungszentrum Maximilianhaus und das Pfarrzentrum untergebracht. Für die Weiterfahrt schlägt man sich am besten zum Römerradweg durch, er verläuft dort allerdings auf der anderen Seite der Westbahn. Kurz nach Schwanenstadt trifft er auf den Traunradweg. Dieser verbindet heuer auch die Landesausstellungsorte Stadl-Paura und Lambach. Ja, mit dem Drahtesel kommt man gut zur Ausstellung „Mensch und Pferd“. Übrigens: Wer als Radpilger unterwegs ist, muss beim Jakobsweg doppelt so viele Kilometer zurücklegen als Fuß- oder Reitpilger – also 200 –, damit es offiziell als Bußgang gilt.

Mensch und Pferd

Noch bis 6. November können sich Kulturpilger im Pferdezentrum Stadl-Paura über den kriegerischen Beginn der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Pferd informieren. Nur etwa einen Kilometer oder fünf Radminuten entfernt ist im Stift Lambach der zweite Teil der Ausstellung zu sehen. Und etwas oberhalb des Stiftes, im ehemaligen Rossstall der Post- und Pferdewechselstation, ist der dritte Teil untergebracht. Nach dieser Kulturjause kann man wieder zur Traun und in die Römerstadt Wels radeln und sich dort noch ein wenig Kultur geben.
In Wels kann man dann entweder der Traun nach Linz folgen oder in Richtung Eferding, Grieskirchen oder Almtal abbiegen.

Attnang-Puchheim eignet sich hervorragend als Startpunkt von Radausflügen (etwa entlang der Traun). Heuer sollte man allerdings einen Abstecher in die Basilika Puchheim machen. Die heilige Pforte ist direkt beim Eingang, allerdings nur mehr bis zum Ende des Jubeljahres am 20. November. Ebenfalls nur mehr wenige Wochen kann man diesen Ausflug nutzen, um die Landesausstellung in Lambach und Stadl-Paura zu besuchen.

 

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Auf Rad-Wallfahrt

Früher konnte man nur zu Fuß oder mit dem Pferd auf Pilgerschaft gehen. Heute kann man auch mit dem Rad zu den Wallfahrtsorten dieser Welt aufbrechen. Besonders gut beschildert ist der Weg nach Adlwang – und dort steht auch die heilige Pforte für das Traunviertel.

 

Adlwang ist einer der ältesten Marien-Wallfahrtsorte Oberösterreichs. Papst Eugen IV. stellte bereits im Jahr 1431 einen Ablassbrief mit der Gültigkeit von 20 Jahren für das Gotteshaus in Adlwang aus. Dies trieb die Zahl der Wallfahrer weiter nach oben und bewirkte so eine erste Blütephase der Wallfahrt. Der Wallfahrtskult steigerte sich in der Gegenreformation, bis er im Barock seinen absoluten Höhepunkt erreichte. 1696 überstieg die Zahl der jährlichen Messen die 1000er-Grenze. In dieser Zeit wird Adlwang als „Mariazell von Oberösterreich“ beschrieben und es war der bedeutendste Wallfahrtsort im Lande ob der Enns. Kein Wunder, dass für das Traunviertel diese Kirche im Bezirk Steyr-Land ausgesucht wurde, um eine heilige Pforte zu bekommen.

Fitness-Pilger

Wer nicht zufällig in Bad Hall wohnt oder dort auf Kur ist, kann mit dem Zug samt Rad nach Rohr fahren. Ein ausgeschilderter Radweg führt dann nach Bad Hall. Und in dem schmucken Kur-Städtchen beginnt die Fitnessrunde 1 „Wallfahrt“. Rund 14 Kilometer ist sie lang und ohne nennenswerte Steigungen. Folgt man der Beschilderung, erreicht man zuerst die Kirche St. Blasien. Das mächtige Gotteshaus soll 1348 von den Rittern von Rohr erbaut worden sein. Nach weiteren fünf Kilometern ist man bereits in Adlwang, die Wallfahrtskirche ist nicht zu übersehen. Übrigens im heutigen Pfarrheim war einst die Volksschule untergebracht, der berühmteste Schüler war Michael Mayr, Sohn des Ferdlstraßergutes, der nach dem 1. Weltkrieg Bundeskanzler war und als Mitbegründer der österreichischen Bundesverfassung gilt. Und auch ein kurzer Abstecher zum Heiligen Brunnen lohnt sich. Durch das Waschen der Augen mit dem leicht jodhältigen Wasser kann man sich die Sehkraft erhalten oder gar verbessern, heißt es.

Zurück geht es dann über Pfarrkirchen (auch dort lohnt für den Pilger ein kurzes Einkehren in der Kirche) wieder nach Bad Hall, wo man auch wieder einkehren kann. Diese kurze Tour eignet sich nur für kleine Sünder, bei einem normalen Lebenslauf kann man einfach zu Krems- oder Traunradweg fahren und dann nach Linz, Wels oder Gmunden radeln. Mit diesen Strapazen kann man sich einige Sünden mehr abstrampeln.

Von außen nur eine kleine Tafel, von innen schön geschmückt: Die heilige Pforte in Adlwang. Die „Schmerzhafte Muttergottes von Adlwang“, eine Steingussarbeit aus der Spätgotik (ca. 1410), soll die Reformation in einem Ameisenhaufen überdauert haben. Und man sollte auf jeden Fall die paar Schritte von der Kirche zum Heiligen Brunnen machen.

 

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Barmherzige Pforten

Als Gipfelstürmer hat man ja schon viele Kreuze gesehen, heuer wollte ich aber noch tiefer die „spirituelle“ Erfahrung des Wanderns im weitesten Sinne erkunden und habe deswegen die fünf heiligen Pforten in Oberösterreich erpilgert.

Heuer gibt es viel Grund zum Jubeln, zwar nicht im heimischen Fußball, da scheiterte die Nationalmannschaft schon in der Gruppenphase, und auch die Ausbeute bei Olympia war mager, aber der Papst hat für 2016 trotzdem ein Jubeljahr ausgerufen. Das Symbol eines solchen besonderen Jahres sind die vier heiligen Pforten in Rom. Papst Alexander VI. führte zu Weihnachten 1499 die Sitte ein, dass das Heilige Jahr mit drei Hammerschlägen gegen die Pforte zu eröffnen sei. Und schon in einem Brief aus dem Jahre 1400 heißt es: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und Sündenstrafen nachgelassen.“ Dieser Ablass wird auch heute noch gewährt. Also, wer gebeichtet und die aufgetragene Sühne abgearbeitet hat, kann sich so auch noch von der Restschuld befreien. Früher hieß das, dass man sich Zeit im Fegefeuer erspart; heutzutage spricht Papst Franziskus lieber davon, dass der Sünder von allen Konsequenzen der Sünde befreit wird, „so dass er wieder neu aus Liebe handeln kann und vielmehr in der Liebe wächst, als erneut in die Sünde zu fallen“.

Vor 499 Jahren ärgerte sich Martin Luther über den Handel und die Geschäfte mit diesem Ablass dermaßen, dass er seine Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg nagelte. Und es ist wohl auch ein Zeichen, dass der Papst schon vor dem 500 Jahr Jubiläum selbst den Reiseveranstaltern das Geschäft vermiest. Denn man muss nun nicht mehr nach Rom, um durch eine Heilige Pforte zu gehen. Der Papst erlaubt es den Bischöfen, in ihrer Diözese solche Tore zu öffnen. Und in der Diözese Linz gibt es gleich fünf davon: In jedem Viertel und in der Bischofskirche in Linz eines. Eigentlich reicht es zwar, durch eine Pforte zu marschieren, aber schaden tut es auch nicht, wenn man alle durchschreitet – außerdem liegen sie ja in sehr schönen Orten, die man leicht erpilgern kann.

Rundpilgern im Innviertel

Eigentlich wollte ich ja alle fünf Pforten in einer Tour absolvieren. Dies hätte allerdings mehrere Tage gedauert und im heurigen Sommer waren längere Schönwetter-Perioden Mangelware. Zugegebenermaßen bin ich ein Schönwetter-Pilger, daher habe ich mir die Pforten einzeln vorgenommen. Meine Tor-Tour begann ganz im Westen: In Maria Schmolln liegt die Pforte für das Innviertel. Der Ort im Bezirk Braunau ist der bedeutendste Wallfahrtsort im Innviertel und – laut Peter Pfarls Pilgeralmanach (Pilgerwege in Oberösterreich) — ist die Kirche weder besonders alt, noch künstlerisch wertvoll. Es war ein Familiendrama aus dem Jahre 1735, an das das Gnadenbild erinnert. Und erst im 19. Jahrhundert war es Bischof Rudigier, der den Grundstein für die Erfolgsgeschichte legte, denn „dieses Schmolln hat eine Zukunft“.

Zur Wallfahrtskirche führen gleich zwei Kreuzwege. Dies ermöglicht, dass man den einen nach unten geht, rund um den Ort und den anderen wieder hoch. Also am Anfang hält man sich am besten an den Rundweg mit der Nr. 312, geht dann am Güterweg Großenaich und wechselt auf den Wanderweg 310, der schließlich über Sollach zum zweiten Kreuzweg führt. Man braucht für die Wanderung etwa zwei Stunden. Die Pforte selbst befindet sich in der Kirche am Eingang zur Gnadenkapelle.

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Der blaue Teppich macht schon von der Ferne auf die heilige Pforte im Inneren aufmerksam: Eine Holzkonstruktion in Bogenform, errichtet von der Zimmerei des Pfarrgemeinderatsobmanns Hermann Schachner, betont die Türen, die von der Hauptkirche in die Gnadenkapelle führen.

 

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Viele Kreuzwege

In den vergangenen Wochen war ich auf der Summit-Tour kreuz und quer durch Oberösterreich unterwegs — quasi von Gipfelkreuz zu Gipfelkreuz. Hier noch einmal ein Überblick:
1. Hoher Dachstein (Bez. Gmunden): mit 2995 Metern der höchste Berg OÖ
2. Großer Priel (Bez. Kirchdorf, 2515) — man braucht auch im kommenden Jahr Aufgaben
3. Grünalmkogel (Bez. Vöcklabruck, 1821): ein echter Hatscher samt Verirrungsgefahr
4. Stumpfmauer (Bez. Steyr-Land, 1770): Obwohl der Gipfel samt Kreuz in Oberösterreich liegt, sind die Ausgangspunkte für eine Besteigung in NÖ oder der Steiermark gelegen.
5. Plöckenstein (Bez. Rohrbach, 1379): Zur Zeit ist dieser Teil der Böhmerwaldes durch den Käferbefall eher ein Baumfriedhof.
6. Sternstein (Bez. Urfahr-Umgebung, 1122): Man fragt sich, was war früher, der Berg oder Lift? Aber im Sommer muss man selber zur Franz-Josef-Warte hochgehen.
7. Viehberg (Bez. Freistadt, 1112): Seit kurzem hat auch der Viehberg ein Gipfelkreuz.
8. Burgstallmauer (Bez. Perg, 949): Neben dem Gipfel (samt Kreuz) lohnt ein Abstecher in die Burgstallschlucht gleich unterhalb des Gipfels.
9. Haugstein (Bez. Schärding, 895): Über der Donau in der Nähe von Engelhartszell ist er der höchste Berg des Innviertels, allerdings ohne Gipfelkreuz.
10. Tannberg (Bez. Braunau, 786): Bis zum Gipfelkreuz kann man mit dem Auto fahren.
11. Sulzberg (Bez. Ried und Grieskirchen, 770): Am Hausruck-Rücken liegt dieser Hügel, er ist der höchste Berg von zwei Bezirken, allerdings nicht der höchste Berg im Hausruck.
12. Der Mayrhofberg (Bez. Eferding, 654) wäre ein idealer Berg für Bergmessen (riesiges Kreuz), allerdings fehlt das alpine Flair ein bisschen.
13. Vor Oberbairing (Linz, 604): Der höchste Punkt in Linz liegt kurz vor Oberbairing.
14. Kürnberg (Bez. Linz-Land, 526): Naherholungsgebiet von Linz
15. Krailberg (Bez. Wels-Land, 504): Vor lauter Wald könnte man fast das Kreuz übersehen.
16. Weinzierl (Steyr, 420): Statt einem Kreuz ist dort ein Handymast.
17. Linet (Wels, 399): Unscheinbarer Waldrücken zwischen Wels und Krenglbach.

Ein Paar Impressionen:

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Detailinformationen gibt es im Internet bei DORIS — doris.ooe.gv.at

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Am Gipfel der Gefühle

Summit_ds_01Er ist nicht nur der höchste Berg des Bezirkes Gmunden, sondern überhaupt des ganzen Bundeslandes. Der Dachstein hat es zwar nicht in die oberösterreichische Landeshymne geschafft, aber in die steirische. Vermutlich auch deswegen, weil der Gipfel von der Steiermark aus viel felsiger und wahrlich wie ein Dach aussieht, während die Oberösterreicher die Gletscherseite bewundern können. Aber trotzdem ist er mit seinen 2995 Metern Höhe auch für Oberösterreicher der Gipfel der Gefühle.

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los“, dichtete Rainer Maria Rilke einst über den Herbst, der nun ins Land zieht. Und schön langsam endet auch die Wandersaison. Denn in den Höhen ist nun statt mit Nieseln mit Schnee zu rechnen und täglich wird die lichte Zeit um vier Minuten weniger. Auch ich werde meine Summittour beenden und das gleich mit einer Entschuldigung: Der große Priel ist sich nicht mehr ausgegangen, ich werde es im kommenden Jahr nachholen müssen — sollten Sie aber vor kurzem auf dem höchsten Berg des Bezirkes Kirchdorf gewesen sein, mailen Sie mir doch Ihre Erfahrungen (h.schicho@volksblatt.at).

Simonys 200. Geburtstag
Was sich aber schon noch ausgegangen ist, ist der Dachstein, mit 2995 Metern Höhe der höchste Berg des Bezirkes Gmunden und der Bundesländer Steiermark und Oberösterreich. Man kann diesen Gipfel von mehreren Seiten begehen: Eigentlich sollte man sich als OÖ-Summit-Geher dem Berg natürlich von Oberösterreich aus nähern. Man macht sich von Obertraun auf zur Simonyhütte und vor dort dann gen Gipfel. Der Namensgeber der Hütte, Friedrich Simony, feiert übrigens heuer am 30. November seinen 200. Geburtstag. Er wurde 1813 in Hrochowteinitz geboren. 1840 begann Simony mit den Forschungen auf dem Dachsteinplateau und zuerst mit der Erkundung der Geomorphologie und der acht Gletscher des Dachsteingebirges. 1847 gelang ihm die erste Winterbesteigung. Nach ihm sind im Dachsteingebiet die Simonyhütte und die Simony-Scharte benannt. Von 1851 bis 1885 war er Universitätsprofessor in Wien und gründete die Lehrkanzel für Geografie.
Man kann aber auch vom Gosausee zur Adamekhüttte hochsteigen und von dort dann den Dachstein besteigen. Für beide Wanderungen sollte man zwei Tage kalkulieren und Gletscherausrüstung mithaben.
Man kann natürlich auch von der steirischen Seite kommen: Da gibt es die absoluten Kletterfixe, die sich die Südwand hochturnen. Die Dachstein-Südwand gehört mit ihren 850 Höhenmetern sicher zu den imposantesten Wänden in Österreich. Die Erstbesteigung durch die Brüder Franz und Georg Steiner am 22. September 1909 war ein alpines Jahrhundertereignis.

Helmpflicht in Rushhour
Man kann aber auch den einfachsten Weg gehen — und genau das habe ich gemacht, dafür allerdings mit professioneller Hilfe. Von der Ramsau geht die Seilbahn die Südwand hoch auf den Hunerkogel (2700 Meter). Dann auf der „Gletscherautobahn“ Richtung Seethalerhütte. Beim Einstieg an der Gletscher-Randkluft half mir Bergführer Hans Brugger ins Geschirr. Brugger betreut auch den Klettersteig und musste vor einigen Jahren den Einstieg um ein Seil verlängern. „Man merkt den Klimawandel am Gletscher besonders deutlich, der heurige Sommer knabberte wieder heftig am ewigen Eis“, erzählt Brugger, der über 500 Mal schon am Gipfel stand.
Am Rand der Felswand ist die Gletscher-Randkluft und man muss auf den Fels springen. Dann heißt es klettern, allerdings ist ein durchgehendes Seil zur Sicherheit vorhanden. Wichtig ist, einen Helm zu tragen, denn der Dachstein ist einer der beliebtesten Berge. An schönen Tagen ist Staugefahr und kleine Steine lösen sich schnell. Außerdem sollte man rechtzeitig aufstehen, damit spart man sich stundenlanges Anstehen vor der Seilbahn. Durch den Ansturm kann man auch nicht lange am Gipfel verweilen. Übrigens verläuft die Landesgrenze über den Gipfel, das Kreuz ist aber in Oberösterreich (Details hat wie immer DORIS). Wer rechtzeitig aufsteht, kann bei dieser Variante zu Mittag schon wieder herunten sein.

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Lost in Hell

Bisweilen ist nicht das Ziel, sondern der Weg das Problem. Typisches Beispiel: Der Grünalmkogel, mit 1821 Metern der höchste Berg des Bezirkes Vöcklabruck. Der Gipfel liegt nämlich mitten im Höllengebirge und ist von überall stundenweit entfernt.

summitvb04Wenn man über das Höllengebirge geht, passiert man etwa in der Mitte fast automatisch den Gipfel des Grünalmkogels, doch sollte man sich dafür auf jeden Fall zwei Tage Zeit nehmen — hatten wir leider nicht. Als Alternative habe ich zum Glück eine vermeintliche Abkürzung gefunden. Der Hirschluckensteig klingt in der Beschreibung gar nicht so kompliziert, doch hat sich diese Wanderung als echter Hatscher herausgestellt und die Regeneration danach dauerte wesentlich länger als zwei Tage.
Wissend, dass dieses Gebirge zur Hölle werden kann, hat mein Bruder sogar ein GPS-Gerät auf diese Tour mitgenommen. Wir sind in aller Herrgottsfrüh zum hinteren Langbathsee gegangen — das GPS-Gerät hat jeden Schritt dokumentiert. Haben auf Anhieb den Einstieg zur Hirschlucke gefunden und sind zu dieser Höhle hinauf gewandert — auch hier hat GPS brav funktioniert. Wir haben sogar das Seil bemerkt, dass einem über die erste Kletterpassage hilft, und haben uns die rote Punktmarkierung entlang nach oben gearbeitet. Doch plötzlich waren die Punkte weg und auch der Akku des GPS-Gerätes leer (übrigens hat sich einige Tage danach ein Wanderer in dieser Gegend so verirrt, dass er vom Hubschrauber abgeholt werden musste). Da man laut Karte aber auf jeden Fall auf den Überquerungsweg (820) treffen müsste, haben wir uns weiter tapfer durch die Latschen gequält und schließlich Stunden später auch den Weg gefunden. Dieser Weg ist übrigens ganz toll markiert und wir erreichten auch den Gipfel des Grünalmkogels (viel leichter findet man den Berg übrigens digital bei DORIS  ).

Missverstandene Grenze
Der zweite Irrtum, der diese Wanderung zum Abenteuer machte, war ein Kartenlesefehler. Denn der eingezeichnete Strich vom Grünalmkogel zum Schafluckensteig war nicht ein Weg, sondern die Bezirksgrenze. Deshalb mussten wir ganz hinab in den Pfaffengraben und auf der anderen Seite wieder hinauf Richtung Brunnkogel. Wir haben uns dann auch aufgrund der einsetzenden Dämmerung entschieden, über das Hochleckenhaus zum Taferlklaussee abzusteigen.
Nach zwölf Stunden des Hatschens und zwei Blasen sind wir schließlich trotz Dunkelheit heil angekommen.summitvb03summitvb02

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Keine Wirtschaft auf der Voralm

Kreuz und quer durch das Hoamatland geht die Summit-Tour weiter: War ich zuvor im nordwestlichen Dreiländereck von Oberösterreich unterwegs, geht es nun gegenüber in das südöstliche Dreiländereck: Genau an diesem Zipfel vom Hoamatland ist nämlich mit der Stumpfmauer die höchste Erhebung des Bezirkes Steyr-Land. Die Stumpfmauer ist übrigens 1770 Meter hoch und bildet gemeinsam mit dem Tanzboden (1727 Meter) die Voralm, auch Voralpe genannt. Doch der Name trügt, erstens ist er obwohl Vor- ein Teil der Ybbstaler Alpen und zweitens gibt es dort leider keine bewirtschaftete Almhütte, wo sich müde Wanderer Speis und Trank einverleiben könnten — daher unbedingt ausreichend Proviant mitnehmen …

… aber auch die richtige Bekleidung ist an Tagen wie diesen Tag Gold wert. Denn mittlerweile ist der Herbst im Lande und die Kleiderfrage spitzt sich zu. Wanderer müssen ja oft früh losstarten, auch um nicht von der Dunkelheit überrascht zu werden, die auch immer früher kommt. Das heißt: Es ist noch frisch, wenn man aus dem Auto steigt. Dann geht es rauf über die Baumgrenze und es kann entweder heiß sein, wenn die Sonne scheint, oder kalt, wenn der Wind bläst. Summasummarum braucht man einen großen Rucksack.

Nur der Gipfel ist in Oberösterreich
Die Besteigung der Stumpfmauer — die höchste Erhebung des Bezirkes Steyr-Land — kann man entweder vom niederösterreichischen Hollenstein oder vom steirischen Altenmarkt beginnen. Aber bei beiden Varianten muss man über summitsl_011200 Höhenmeter überwinden. Wir haben uns für Niederösterreich entschieden. In Wenten ist nämlich sogar ein extra Parkplatz für die Voralpen-Wanderer eingerichtet. Und dann geht es eigentlich nur bergauf, zuerst auf Güter- und später auf Forstwegen — wobei diese so gut ausgebaut sind, dass man von Forstautobahnen sprechen kann. Zum Glück kann man sich einige Kehren via beschilderter Abkürzungen sparen. Und dann biegt man auf den Hugo-Zettel-Steig in den Wald ein, allerdings geht es weiter nur bergauf, mal flacher, meist steiler, bis zum Gipfel. Der Gipfel (1770 Meter) selbst ist sogar ein bisschen felsig und durchaus schon alpin — ein gespanntes Seil verbreitet sogar Kletterstimmung. Und beim Gipfelkreuz kommen dann die Wortspieler auf ihre Rechnung: Denn das „Voralpenkreuz“ kennt man ja auch aus den Staumeldungen. Hinab wechselt man dann auf den Kopetzkysteig. Durch die „Luckerte Mauer“ kann man via Dreiländereck auf den Tanzboden (1727) rüber gehen und ins steirische Absteigen. Doch wir mussten wieder zurück … leider ist auf der Voralm nirgends eine echte bewirtschaftete Alm. Und außerdem ist es eigenartig, wenn man einen OÖ-Summit besteigt und eigentlich nur ganz kurz — eigentlich überhaupt nur am Gipfel — in Oberösterreich ist (Detail im Internet bei Doris).
Übrigens bleibt nicht alles gleich: Während ich als Kind das Bergaufgehen scheute und frohlockte, wenn es bergab ging, komme ich nun in ein Alter, wo man die Rückwege fürchtet – ja, von nun an geht’s bergab. Die Knie machten sich bemerkbar und zur Entlastung habe ich mir sogar die Wanderstecken von meinem konditionell fitteren Begleiter ausgeliehen. Zu allem Überfluss war auch das Wetter nicht ideal: Der Nebel machte die sonst ausgezeichnete Aussicht zunichte (laut Erzählungen sieht man das Tote Gebirge, die Rottenmanner Tauern, die Eisenerzer Alpen, das Hochschwabmassiv, die Haller Mauer und vieles mehr vom Gipfel aus) und der Regen vom Vortag den Weg gefährlich rutschig. Und wenn man so durch den Wald rutscht, helfen einem auch die besten Stecken nichts. Aber irgendwann kommt man schließlich doch wieder zum Auto zurück. Und in Hollenstein gibt es dann auch ausreichend Einkehrmöglichkeiten.
Was ich leider nicht herausbekommen habe: Was tat Herr oder Frau Kopetzky, damit ein Steig nach ihm/ihr benannt wurde? Und wer war Hugo Zettel?

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Abgefressene Idylle

summitro_01Der höchste Berg des Bezirkes Rohrbach und überhaupt des ganzen Mühlviertels ist der Plöckenstein. 1378 Meter thront er über dem Böhmerwald und dieser hat es sogar zu literarischen Ehren gebracht. Der Wald spielt die Titelrolle in Adalbert Stifters Erzählung „Der Hochwald“. Doch wenn man heute den Berg erklimmt, ist von Wald wenig zu bemerken.

Adalbert Stifter ist ja im Böhmerwald geboren und seine Geschichten spielen oft in dieser Gegend. Der Reiz der Erzählung „Der Hochwald“ liegt weniger in der traurigen Liebesgeschichte, als in der Beschreibung der Landschaft rund um den Plöckenstein, „die Wälder alle dort oben, unermeßlich und undurchdringlich, so dass unsere nur Gärten dagegen sind. Ein schöner, schwarzer Zaubersee soll in ihrer summitro_05Mitte ruhen, und wunderbare Felsen und wunderbare Bäume um ihn stehen, und ein Hochwald ringsherum sein, in dem seit der Schöpfung noch keine Axt erklungen.“ So schrieb Stifter 1842. Heute – 171 Jahre später – sind wunderbare Bäume nicht mehr zu sehen. Wie Gerippe stehen die Bäume kahl in der Gegend, der Borkenkäfer hat Stifters Idylle zerstört. Aber irgendwie hat es seinen Reiz — vor allem für jene Generation, die mit dem Waldsterben aufgewachsen ist. Momentan eignet sich der Plöckenstein zwar nicht als Kulisse für eine romantische Erzählung, aber als Schauplatz für apokalyptische Dramen allemal.

Grenzgänger
Der Plöckenstein ist die höchste Erhebung im böhmischen und österreichischen Teil des Waldes und der höchste Punkt des Mühlviertels und Südböhmens. Wir haben unsere Expedition am Parkplatz in Oberschwarzenberg begonnen. Danach wird man zum Grenzgänger – konkret zwischen Bayern und Österreich. Am Grat oben kommen dann auch noch die Tschechen hinzu, die Folge: ein Dreiländereck. Wendet man sich links, kommt man zum bayrischen Plöckenstein, über dessen Abhang sich das steinerne Meer ergießt, nach ein paar Kilometer kann man im Dreisesselschutzhaus einkehren. Wendet man sich hingegen nach rechts, kommt man zum echten Plöckenstein, der um 18 Meter höher ist als sein bayrischer Namenskollege. Bei Zeit und Lust kann man noch die Abstecher nach Tschechien zum Stifterdenkmal und Plöckensteinersee machen. Die genauen Daten kann man bei DORIS   summitro_04 digital einsehen,summitro_02

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Kaiserliche Anlässe

Zehn Jahre liegen zwischen dem Freinberg und dem Sternstein. Denn während der Freinberg seine Franz-Josef-Warte zum 40. Thronjubiläum bekam, hat der Sternstein — die höchste Erhebung im Bezirk Urfahr-Umgebung —, erst den 50. Geburtstag seiner Exzellenz genutzt, um sich einen krönenden Abschluss zu genehmigen.

summitUU_02Aber nicht nur zehn Jahre, sondern auch 720 Meter trennen die beiden Gipfel. Der Sternstein ragt mit seinen 1125 Metern fast dreimal so hoch über das Land wie der Freinberg. Der Großteil des Sternsteins liegt in der Gemeinde Vorderweißenbach, unter anderem das Gipfelkreuz und die Sternsteinwarte. Der schlanke Turm wurde am 22. Oktober 1899 eingeweiht; die Planung stammt vom Architekturstudenten Ferdinand Modl. Aber auch Bad Leonfelden hat Anteil am Berg und sich deshalb den Sternstein ebenfalls ins Gemeindewappen geholt. Und irgendwie gehört der Berg eh der ganzen Region, ist er doch das Herzstück des „Sterngartls“.
Aber nicht nur der Gipfel lohnt, im Wald versteckt findet man auch die Reste einer rund 600 Jahre alten Glashütte, die man 1991 ausgegraben hat. Die Erzeugung von Glas bildete einst ein wirtschaftliches Standbein der Gegend. Auf einer Informationstafel erfährt man Näheres über die Hütte und auch, dass die Pfarre Bad Leonfelden die Archäologen gesponsert hat. Und hat man etwas mehr Zeit und Ausdauer, kann man auch bis zur Schwedenschanze wandern. Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurden zum Schutz gegen einen Schweden-Einfall in Weigetschlag, Roßberg und Rading militärische Schanzwerke errichtet. Der noch existierende Teil der Schanze bildet eine Sperre in der waldfreien Lücke zwischen Sternstein und dem Miesenwald im Osten in einer Länge von 200 m.

Alte Spuren, Neue Wege
Ist man genug gewandert oder erlaubt das Wetter nur einen kurzen Freiland-Aufenthalt, hat man heuer Glück: Die Landesausstellung ist ein regensicheres Highlight. In Bad Leonfelden widmet sich die Ausstellung „Alte Spuren, Neue Wege“ den Themen „Straße — Handel — Verkehr“ sowie „Medizin und Fürsorge“. Das mittelalterliche Bürgerspital sowie das Lederer- und das Forstner-Haus mitten im Stadtzentrum bilden die beeindruckende Kulisse. Und hat man dann noch Zeit, kann man noch die anderen Ausstellungsorte — Freistadt, Vissy Brod und Krumau — besuchen.summitUU_01 Alle Detailinformationen wie immer bei DORIS.

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