Stadtwanderwege mit Panoramablicken

Der Wienerwald ist das Ostenende der Alpen und gilt als die grüne Lunge der Bundeshauptstadt, er bietet darüber hinaus Gipfelerlebnisse in Stadtnähe samt Kreuz und ohne Verirrungsgefahr. Er ist aber auch ein Eldorado für Mountainbiker …

… und die sind vermutlich auch die größte Gefahr auf diesen Wanderwegen, ansonsten ist der Wienerwald nämlich ein echtes Wandergebiet. Die höchsten Erhebungen der westlichen Bezirke in Wien liegen allesamt in diesem nordöstlichsten Ausläufer der Alpen. Und es ist vermutlich auch die einzige Stelle, wo die Alpen über die Donau reichen.
Auf dem Abhang des Bisamberges liegt bei der Eichendorffhöhe zum Beispiel der höchste Punkt von Floridsdorf — am besten erreichbar über den Stadtwanderweg 5 von Stammersdorf aus, da kommt man auch durch die Kellergasse und irgendwo ist sicher ausgesteckt. Leider kein Stadtwanderweg führt auf den Schafberg, den höchsten Berg in Währing (18. Bezirk). Auf den kleinen Bruder des gleichnamigen Berges im Salzkammergut kann man auch nicht mit der Zahnradbahn hinauffahren, aber in der Nähe hat die Straßenbahnlinie 43 ihre Endstation. Und statt im Wolfgangsee kann man sich nach dem Gipfelsturm im Schafbergbad abkühlen. Aber heißt es wieder ab auf die Stadtwanderwege: Auf jenem mit der Nummer 6 kommt man fast direkt auf den Eichkogel, der höchste Berg in Liesing ist von drei Seiten von Niederösterreich umschlossen. Den höchsten Punkt in Ottakring erreicht man via Stadtwanderweg 4, der Punkt liegt direkt am Fuße der Jubiläumswarte. 1898 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. wurde dort ein Holzturm errichtet, den der Wind allerdings umfegte. Sein Nachfolger aus Eisen hielt zumindest 50 Jahre. 1955 wurde die Warte aus Beton und Stahl neugebaut. Von dort oben kann man Rundum-die-Uhr einen Rundum-Blick genießen.
Um lediglich 13 Meter höher liegt das Hameau im 17. Bezirk. 1765 hat Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lacy diesen Flecken im Wienerwald erworben und einen englischen Landschaftsgarten samt kleinen Häuschen errichtet – daher der Name „Hameau“ (französisch für Dörfchen). Heute steht nur mehr ein Haus, in das man sich bei Regen flüchten kann, wenn man auf dieser Wiese picknickt (übrigens führt hier der Stadtwanderweg 3 hin).

Die 500-er Grenze

Mit dem Gipfel im 14. Bezirk überschreitet man erstmals die 500-er Grenze. Der Schutzengelberg an der Grenze zu Niederösterreich ist allerdings sehr versteckt im Wald, hier kann man Gipfel und Schwammerl suchen verknüpfen. Ebenfalls keine rechte Gipfelfreude stellte sich bei meiner Besteigung des höchsten Punktes von Hitzing ein. Einerseits war das Wetter nicht ideal und andererseits liegt der von den Experten errechnete Punkt etwa 300 Meter von dem aufgestellten Gipfelkreuz des Dreihufeneisenberges enfernt – aber das Kreuz war trotzdem das viel schönere Fotomotiv. Das große Finale gibt es dann in Döbling: Der Hermannskogel ist mit 542 Metern nämlich auch der höchste Punkt von Wien und er ist der Höhepunkt des Stadtwanderweges 2. Das Gipfelkreuz steht etwas oberhalb der Warte, die auch für Geografen interessant ist, war die Habsburgwarte doch der Fundamentalpunkt (Koordinatenursprung) der Landesvermessung von Österreich-Ungarn.

Bilder aus dem Wienerwald (von links oben): Immer wieder kann man auf den Wegen im Wienerwald auf die Wiener hinunter schauen, etwa von der Jubiläumswarte in Wien Ottakring. In Floridsdorf ist der höchste Punkt in der Nähe des Denkmals von Joseph von Eichendorff   und auch von dort hat man trotz geringerer Höhe einen guten Ausblick. Aber manchmal sieht man den Gipfel vor lauter Bäumen nicht, wie am Schafberg in Währing oder in Hütteldorf beim Schutzengelberg, da kann man dann Schwammerl und Gipfel gleichzeitig suchen. Das Gipfelkreuz am Dreihufeisenberg (5) markiert leider nicht genau den höchsten Punkt von Hietzing. Dafür hat man sowohl am Eichkogel (5) als auch am Hermannskogel kein Problem damit. Ein echter Geheimtipp ist das Hameau.

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Mit der U-Bahn zum Gipfelerlebnis

Gerade in den Wiener Innenbezirken ist es gescheit, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen – selbst beim Bergsteigen. Die Summit-Tour innerhalb des Gürtels führt durch ein (Noch-) Weltkulturerbe.

Wien ist anders – sogar bei den Höhenangaben. Denn die Bundeshauptstadt hat ein eigenes Höhenbezugssystem. Die „Wiener Null“ wurde Ende des 19. Jahrhunderts definiert und liegt vier Meter über dem Mittelwasser des Donaukanal-Pegels an der damaligen Ferdinandsbrücke, wo heute die Schwedenbrücke die Bezirke Innere Stadt und Leopoldstadt verbindet. Zum Umrechnen: Die „Wiener Null“ liegt auf einer Seehöhe von 156,68 (also genauer gesagt über dem mittleren Pegelstand des Mittelmeeres bei Triest). Der höchste Punkt ist allerdings auf der anderen Seite der Kernzone des Weltkulturerbes Wien und darum gibt es auf der Summit-Tour kulturelle Highlights. Am Schmerlingplatz (gut erreichbar mit der Linie U2) thront etwa eine Skulptur von Ludwig Anzengruber auf dem Gipfel des 1. Bezirkes. Die Familie Anzengruber stammt übrigens aus Hofkirchen an der Trattnach (Bezirk Grieskirchen). Ludwig Anzengrubers Vater, Johann Anzengruber, verließ als Bursche den väterlichen Hof, um in Wien eine Beamtenstelle zu übernehmen. Unweit des Denkmals ging Anzengruber zur Schule. Auf der Summit-Tour kann man dann umsteigen auf die Straßenbahnlinie D und entlang des Ringes die Prachtbauten genießen. Der höchste Punkt des 3. Bezirkes ist nämlich im Park rund um das 21er Haus (am besten bei der Haltestelle Quartier Belvedere aussteigen).

Höhenstraße Gürtel

Auch die restlichen „Gipfel“ der inneren Bezirke liegen am Gürtel, der sich deswegen zweite Wiener Höhenstraße nennen könnte. Ihre Höhe ist allerdings nur zwischen 201 und 209 Meter und sie sind auch nicht wirklich als Gipfel ersichtlich. Daher ist es notwendig, ein mobiles Gipfelkreuz zu verwenden. Ich habe dafür meine Wanderstecken zweckentfremdet. Etwas überlaufen ist der Punkt im 4. Bezirk, liegt er doch in unmittelbarer Nähe des neuen Hauptbahnhofes am Busbahnhof für Fernreisen. Der höchste Punkt von Margareten (5. Bezirk) liegt etwas weiter westlich beim Matzleinsdorfer Platz, er ist der Böschung der Bahntrasse geschuldet. Ebenfalls aufgeschüttet ist die höchste Erhebung in Mariahilf – ein kleiner Blumenberg mitten im Kreisverkehr vor dem Westbahnhof. Ab dann liegen alle Gipfel an der U6: In Neubau (U6 Haltestelle Burggasse, 7.Bezirk) ist er vor der städtischen Bibliothek und sogar überdacht. Einen besseren Ausblick hat man aber, wenn man die Stiege auf die Bibliothek hinaufsteigt – dort oben gibt es sogar eine Bar. Am Gipfel der Josefstadt braucht man dann kein Gipfelkreuz, denn der Uhlplatz (U6 Haltestelle Josefstädterstraße, 8. Bezirk) wird beherrscht von der Pfarrkirche Breitenfeld. Die Kirche ist ein Ziegelrohbau, der an die italienische Frührenaissance anknüpft und knapp vor der Jahrhundertwende (1898) fertiggestellt wurde. Auch der Gipfel des 9. Bezirks wird von einem Bauwerk dominiert. Der höchste Punkt im Alsergrund liegt nämlich an der Auffahrt zur Notfallaufnahme des Wiener Allgemeinen Krankenhauses im Schatten des „grünen Bettenturms“.

Kulturwandern in Wien (von links oben): der Gipfel des 1. Bezirkes beim Denkmal des Dichters Anzengruber (1) und der im 3. im Park rund um das 21er Haus (2). Aber auch durch die Bahn gibt es „Höhepunkte“ wie etwa in Wieden (3) oder Margareten (4). Und ansonsten gilt für die Innenbezirke, dass der Gürtel quasi eine zweite Höhenstraße ist: In Mariahilf liegt der Punkt auf dem Gürtel am Eingang zur Mariahilfer Straße (5), in der Josefstadt (6) bei der Pfarrkirche Breitenfeld und in Wien-Neubau (7) vor der städtischen Bibliothek. Und wer sich beim Besteigen des Gipfel des Alsergrund — direkt vor dem Wiener AKH — weh tut, kann rasch verarztet werden.

Wachsende Berge und sportliche Gipfel

Auch die Bezirke der Bundeshauptstadt Wien haben höchste Erhebungen. Auf der Wiener Summit-Tour hat Herbert Schicho diese 23 „Gipfel“ in nur 40 Stunden bezwungen.

Vorweg: Es ist keine alpinistische, sondern eine organisatorische Höchstleistung. Und die begann schon bei der genauen Definition des Zieles. Dabei halfen zum Glück die Experten der Wiener Stadtvermessung, kurz MA 41. Sie stellten mir eine Liste der höchsten Punkte der einzelnen Bezirke zur Verfügung. Wobei man sich bei einer städtischen Gipfeltour von gewissen alpinistischen Vorurteilen verabschieden muss: Der höchste Punkt der meisten Bezirke ist nämlich nicht mit einem Gipfelkreuz klar erkennbar, oft sind es auch keine touristischen Highlights (diese liegen manchmal aber knapp daneben) und drittens kann man sehr häufig auf diese höchsten Punkte hinunterschauen, denn umliegende Gebäude sind deutlich höher. Dies gilt auch für den 22.: Die Donaustadt ist der bei weitem größte Bezirk in Wien, fast ein Viertel des Gemeindegebietes liegt in diesem Bezirk nördlich der Donau. Der an und für sich höchste Punkt dieses Gretzels voller Hochhäuser ist der Donauturm, mit seinen 252 Metern ist er sogar das höchste Bauwerk in Österreich. Für echte Bergfexen zählen aber nur Erderhöhungen und deswegen gilt als höchster Punkt des Bezirkes der Müllberg in der Deponie Rautenweg. Auf dem Michael Häupl Weg könnte man auf den etwas über 30 Meter hohen Gipfel steigen. Man braucht zur Besteigung aber eine Erlaubnis von der zuständigen Dienststelle. Oder aber man kommt von Mai bis Oktober am Freitag um 14 Uhr zu einem Besichtigungstermin. Da kann man mit etwas Glück auch Pinzgauer Ziegen beobachten, die hier seit Anfang der 90er-Jahre ihren Lebensraum gefunden haben, oder Enten, Krähen, Rehe, Hasen, 26 Schmetterlingsarten, 47 Spinnenarten oder 43 Laufkäferarten. Ich musste leider vor dem Zaun bleiben: Der Berg liegt derzeit nur knapp über der „magischen“ 200-er Grenze und im Bezirksvergleich an drittletzter Stelle. Bis zum Jahr 2065 darf dort Mist gelagert werden, so dass im Endausbau der Berg dann 75 Meter hoch sein und der Bezirk um sieben Plätze vorrücken wird. Er ist damit aber noch immer um mehr als 175 Meter niedriger als der Donauturm.

Höhepunkte am Abhang

Aber nicht nur im 22. Bezirk wurde die höchste Erhebung aufgeschüttet. Im 2. Bezirk ist es aber leider nicht der Konstantinhügel — dieser sieben Meter hohe Rodelberg mitten im Prater entstand im Zuge der Aushubarbeiten der Rotunde anlässlich der Weltausstellung 1873 — sondern es ist die Böschung, die beim Bahnhof Praterkai von den Gleisen hinabgeht. Auch im 20. Bezirk und im 11. Bezirk ist die höchste Erhebung eine Böschung, allerdings von einer Straße. Wobei man in Simmering nur mit einem hohen Sprung über die magische 200-Meter-Grenze kommt. Ebenfalls nicht besonders spektakulär ist das Gipfelerlebnis in Meidling. Denn der höchste Punkt des 12. Bezirks ist nicht die Gloriette in Schönbrunn, sondern am Rosenhügel, wobei an dieser Straßenkreuzung gleich drei Bezirke zusammenkommen und wenn man sein Gipfelbier in den „Drei Linden“ genießt, ist man schon im 23. Bezirk.
Zwar keine alpinistische, aber durchaus sportliche Abenteuer kann man auf den Gipfeln des 10. und des 15. Bezirk erleben. Denn in Favoriten ist die höchste Erhebung am Laaer Berg, allerdings nicht im Kurpark Oberlaa, sondern in einem Kindergarten direkt neben der Trainingsakademie der Wiener Austria. Und im 15. Bezirk ist der Gipfel im traditionsreichen „Sportgrätzl“ auf der Schmelz.

Bei der Besteigung der Gipfel in den äußeren Bezirken ist durchaus vorteilhaft, wenn man motorisiert ist. Denn sonst wird Anreise in die „Basislager“ langwierig. Ein Highlight der besonderen Art und ein Erlebnis auch für die Nase ist der höchste Gipfel in der Donaustadt, der Müllberg kann allerdings nur mit Genehmigung erklommen werden. Am höchsten Punkt in Favoriten sind sportliche Höchstleistungen gefordert, liegt er doch bei der Trainingsakademie der Wiener Austria . Und auf der Schmelz (3) wird am Gipfel Beachvolleyball gespielt. Die Gipfel der Bezirke 2., 20., 11. und 13. sind hingegen ehrlich gesagt keine Reise wert. In der Leopoldstadt  liegt er auf einer Bahnböschung, in Simmering, Meidling   und der Brigittenau am Straßenrand. Als Orientierungshilfe eine „selbstgebastelte“ Karte der Punkte

Auf der Wiener Summit-Tour heißt es nun umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel …

Die Liste

Während in den Bergen relativ gut ersichtlich ist, wo oben ist, ist es in der Stadt nicht ganz so einfach, den höchsten „Berg“ zu finden. Gerade in Wien mit seinen 23 Bezirken ist die Summittour keine alpinistische, sondern eine organisatorische Leistung. Zum Glück stellten mir die Experten der MA41 eine detaillierte Liste zur Verfügung:

Bezirk Höhe Wiener Null Gauß-Krüger M34 Rechtswert Gauß-Krüger M34 Hochwert
1 29,68 1775 340993
2 15,61 8096 340137
3 44,45 3925 338440
4 49,38 3060 338518
5 51,86 1673 337915
6 45,39 550 339704
7 55,84 390 340330
8 48,51 682 341589
9 48,25 1067 342569
10 98,69 4709 335515
11 42,85 5868 336190
12 85,94 -2984 336010
13 360,61 -10752 337300
14 351,74 -8291 346531
15 87,28 -760 340633
16 294,51 -4967 342535
17 307,90 -4960 346290
18 233,19 -2968 344614
19 387,16 -2790 348040
20 17,71 3094 345823
21 183,18 3675 353195
22 43,64 11208 347043
23 271,44 -8470 332023

Der Wiener Null Punkt liegt übrigens bei der Schwedenbrücke, das heißt, um die Seehöhe zu bekommen, einfach 156,68 dazurechnen. Bei der  Umrechnung der Rechts- und Hochwerte hilft die Homepage https://open.wien.gv.at/site/koordinaten/

Viele Kreuzwege

In den vergangenen Wochen war ich auf der Summit-Tour kreuz und quer durch Oberösterreich unterwegs — quasi von Gipfelkreuz zu Gipfelkreuz. Hier noch einmal ein Überblick:
1. Hoher Dachstein (Bez. Gmunden): mit 2995 Metern der höchste Berg OÖ
2. Großer Priel (Bez. Kirchdorf, 2515) — man braucht auch im kommenden Jahr Aufgaben
3. Grünalmkogel (Bez. Vöcklabruck, 1821): ein echter Hatscher samt Verirrungsgefahr
4. Stumpfmauer (Bez. Steyr-Land, 1770): Obwohl der Gipfel samt Kreuz in Oberösterreich liegt, sind die Ausgangspunkte für eine Besteigung in NÖ oder der Steiermark gelegen.
5. Plöckenstein (Bez. Rohrbach, 1379): Zur Zeit ist dieser Teil der Böhmerwaldes durch den Käferbefall eher ein Baumfriedhof.
6. Sternstein (Bez. Urfahr-Umgebung, 1122): Man fragt sich, was war früher, der Berg oder Lift? Aber im Sommer muss man selber zur Franz-Josef-Warte hochgehen.
7. Viehberg (Bez. Freistadt, 1112): Seit kurzem hat auch der Viehberg ein Gipfelkreuz.
8. Burgstallmauer (Bez. Perg, 949): Neben dem Gipfel (samt Kreuz) lohnt ein Abstecher in die Burgstallschlucht gleich unterhalb des Gipfels.
9. Haugstein (Bez. Schärding, 895): Über der Donau in der Nähe von Engelhartszell ist er der höchste Berg des Innviertels, allerdings ohne Gipfelkreuz.
10. Tannberg (Bez. Braunau, 786): Bis zum Gipfelkreuz kann man mit dem Auto fahren.
11. Sulzberg (Bez. Ried und Grieskirchen, 770): Am Hausruck-Rücken liegt dieser Hügel, er ist der höchste Berg von zwei Bezirken, allerdings nicht der höchste Berg im Hausruck.
12. Der Mayrhofberg (Bez. Eferding, 654) wäre ein idealer Berg für Bergmessen (riesiges Kreuz), allerdings fehlt das alpine Flair ein bisschen.
13. Vor Oberbairing (Linz, 604): Der höchste Punkt in Linz liegt kurz vor Oberbairing.
14. Kürnberg (Bez. Linz-Land, 526): Naherholungsgebiet von Linz
15. Krailberg (Bez. Wels-Land, 504): Vor lauter Wald könnte man fast das Kreuz übersehen.
16. Weinzierl (Steyr, 420): Statt einem Kreuz ist dort ein Handymast.
17. Linet (Wels, 399): Unscheinbarer Waldrücken zwischen Wels und Krenglbach.

Ein Paar Impressionen:


Detailinformationen gibt es im Internet bei DORIS — doris.ooe.gv.at

Am Gipfel der Gefühle

Summit_ds_01Er ist nicht nur der höchste Berg des Bezirkes Gmunden, sondern überhaupt des ganzen Bundeslandes. Der Dachstein hat es zwar nicht in die oberösterreichische Landeshymne geschafft, aber in die steirische. Vermutlich auch deswegen, weil der Gipfel von der Steiermark aus viel felsiger und wahrlich wie ein Dach aussieht, während die Oberösterreicher die Gletscherseite bewundern können. Aber trotzdem ist er mit seinen 2995 Metern Höhe auch für Oberösterreicher der Gipfel der Gefühle.

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los“, dichtete Rainer Maria Rilke einst über den Herbst, der nun ins Land zieht. Und schön langsam endet auch die Wandersaison. Denn in den Höhen ist nun statt mit Nieseln mit Schnee zu rechnen und täglich wird die lichte Zeit um vier Minuten weniger. Auch ich werde meine Summittour beenden und das gleich mit einer Entschuldigung: Der große Priel ist sich nicht mehr ausgegangen, ich werde es im kommenden Jahr nachholen müssen — sollten Sie aber vor kurzem auf dem höchsten Berg des Bezirkes Kirchdorf gewesen sein, mailen Sie mir doch Ihre Erfahrungen (h.schicho@volksblatt.at).

Simonys 200. Geburtstag
Was sich aber schon noch ausgegangen ist, ist der Dachstein, mit 2995 Metern Höhe der höchste Berg des Bezirkes Gmunden und der Bundesländer Steiermark und Oberösterreich. Man kann diesen Gipfel von mehreren Seiten begehen: Eigentlich sollte man sich als OÖ-Summit-Geher dem Berg natürlich von Oberösterreich aus nähern. Man macht sich von Obertraun auf zur Simonyhütte und vor dort dann gen Gipfel. Der Namensgeber der Hütte, Friedrich Simony, feiert übrigens heuer am 30. November seinen 200. Geburtstag. Er wurde 1813 in Hrochowteinitz geboren. 1840 begann Simony mit den Forschungen auf dem Dachsteinplateau und zuerst mit der Erkundung der Geomorphologie und der acht Gletscher des Dachsteingebirges. 1847 gelang ihm die erste Winterbesteigung. Nach ihm sind im Dachsteingebiet die Simonyhütte und die Simony-Scharte benannt. Von 1851 bis 1885 war er Universitätsprofessor in Wien und gründete die Lehrkanzel für Geografie.
Man kann aber auch vom Gosausee zur Adamekhüttte hochsteigen und von dort dann den Dachstein besteigen. Für beide Wanderungen sollte man zwei Tage kalkulieren und Gletscherausrüstung mithaben.
Man kann natürlich auch von der steirischen Seite kommen: Da gibt es die absoluten Kletterfixe, die sich die Südwand hochturnen. Die Dachstein-Südwand gehört mit ihren 850 Höhenmetern sicher zu den imposantesten Wänden in Österreich. Die Erstbesteigung durch die Brüder Franz und Georg Steiner am 22. September 1909 war ein alpines Jahrhundertereignis.

Helmpflicht in Rushhour
Man kann aber auch den einfachsten Weg gehen — und genau das habe ich gemacht, dafür allerdings mit professioneller Hilfe. Von der Ramsau geht die Seilbahn die Südwand hoch auf den Hunerkogel (2700 Meter). Dann auf der „Gletscherautobahn“ Richtung Seethalerhütte. Beim Einstieg an der Gletscher-Randkluft half mir Bergführer Hans Brugger ins Geschirr. Brugger betreut auch den Klettersteig und musste vor einigen Jahren den Einstieg um ein Seil verlängern. „Man merkt den Klimawandel am Gletscher besonders deutlich, der heurige Sommer knabberte wieder heftig am ewigen Eis“, erzählt Brugger, der über 500 Mal schon am Gipfel stand.
Am Rand der Felswand ist die Gletscher-Randkluft und man muss auf den Fels springen. Dann heißt es klettern, allerdings ist ein durchgehendes Seil zur Sicherheit vorhanden. Wichtig ist, einen Helm zu tragen, denn der Dachstein ist einer der beliebtesten Berge. An schönen Tagen ist Staugefahr und kleine Steine lösen sich schnell. Außerdem sollte man rechtzeitig aufstehen, damit spart man sich stundenlanges Anstehen vor der Seilbahn. Durch den Ansturm kann man auch nicht lange am Gipfel verweilen. Übrigens verläuft die Landesgrenze über den Gipfel, das Kreuz ist aber in Oberösterreich (Details hat wie immer DORIS). Wer rechtzeitig aufsteht, kann bei dieser Variante zu Mittag schon wieder herunten sein.

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Lost in Hell

Bisweilen ist nicht das Ziel, sondern der Weg das Problem. Typisches Beispiel: Der Grünalmkogel, mit 1821 Metern der höchste Berg des Bezirkes Vöcklabruck. Der Gipfel liegt nämlich mitten im Höllengebirge und ist von überall stundenweit entfernt.

summitvb04Wenn man über das Höllengebirge geht, passiert man etwa in der Mitte fast automatisch den Gipfel des Grünalmkogels, doch sollte man sich dafür auf jeden Fall zwei Tage Zeit nehmen — hatten wir leider nicht. Als Alternative habe ich zum Glück eine vermeintliche Abkürzung gefunden. Der Hirschluckensteig klingt in der Beschreibung gar nicht so kompliziert, doch hat sich diese Wanderung als echter Hatscher herausgestellt und die Regeneration danach dauerte wesentlich länger als zwei Tage.
Wissend, dass dieses Gebirge zur Hölle werden kann, hat mein Bruder sogar ein GPS-Gerät auf diese Tour mitgenommen. Wir sind in aller Herrgottsfrüh zum hinteren Langbathsee gegangen — das GPS-Gerät hat jeden Schritt dokumentiert. Haben auf Anhieb den Einstieg zur Hirschlucke gefunden und sind zu dieser Höhle hinauf gewandert — auch hier hat GPS brav funktioniert. Wir haben sogar das Seil bemerkt, dass einem über die erste Kletterpassage hilft, und haben uns die rote Punktmarkierung entlang nach oben gearbeitet. Doch plötzlich waren die Punkte weg und auch der Akku des GPS-Gerätes leer (übrigens hat sich einige Tage danach ein Wanderer in dieser Gegend so verirrt, dass er vom Hubschrauber abgeholt werden musste). Da man laut Karte aber auf jeden Fall auf den Überquerungsweg (820) treffen müsste, haben wir uns weiter tapfer durch die Latschen gequält und schließlich Stunden später auch den Weg gefunden. Dieser Weg ist übrigens ganz toll markiert und wir erreichten auch den Gipfel des Grünalmkogels (viel leichter findet man den Berg übrigens digital bei DORIS  ).

Missverstandene Grenze
Der zweite Irrtum, der diese Wanderung zum Abenteuer machte, war ein Kartenlesefehler. Denn der eingezeichnete Strich vom Grünalmkogel zum Schafluckensteig war nicht ein Weg, sondern die Bezirksgrenze. Deshalb mussten wir ganz hinab in den Pfaffengraben und auf der anderen Seite wieder hinauf Richtung Brunnkogel. Wir haben uns dann auch aufgrund der einsetzenden Dämmerung entschieden, über das Hochleckenhaus zum Taferlklaussee abzusteigen.
Nach zwölf Stunden des Hatschens und zwei Blasen sind wir schließlich trotz Dunkelheit heil angekommen.

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Keine Wirtschaft auf der Voralm

Kreuz und quer durch das Hoamatland geht die Summit-Tour weiter: War ich zuvor im nordwestlichen Dreiländereck von Oberösterreich unterwegs, geht es nun gegenüber in das südöstliche Dreiländereck: Genau an diesem Zipfel vom Hoamatland ist nämlich mit der Stumpfmauer die höchste Erhebung des Bezirkes Steyr-Land. Die Stumpfmauer ist übrigens 1770 Meter hoch und bildet gemeinsam mit dem Tanzboden (1727 Meter) die Voralm, auch Voralpe genannt. Doch der Name trügt, erstens ist er obwohl Vor- ein Teil der Ybbstaler Alpen und zweitens gibt es dort leider keine bewirtschaftete Almhütte, wo sich müde Wanderer Speis und Trank einverleiben könnten — daher unbedingt ausreichend Proviant mitnehmen …

… aber auch die richtige Bekleidung ist an Tagen wie diesen Tag Gold wert. Denn mittlerweile ist der Herbst im Lande und die Kleiderfrage spitzt sich zu. Wanderer müssen ja oft früh losstarten, auch um nicht von der Dunkelheit überrascht zu werden, die auch immer früher kommt. Das heißt: Es ist noch frisch, wenn man aus dem Auto steigt. Dann geht es rauf über die Baumgrenze und es kann entweder heiß sein, wenn die Sonne scheint, oder kalt, wenn der Wind bläst. Summasummarum braucht man einen großen Rucksack.

Nur der Gipfel ist in Oberösterreich
Die Besteigung der Stumpfmauer — die höchste Erhebung des Bezirkes Steyr-Land — kann man entweder vom niederösterreichischen Hollenstein oder vom steirischen Altenmarkt beginnen. Aber bei beiden Varianten muss man über summitsl_011200 Höhenmeter überwinden. Wir haben uns für Niederösterreich entschieden. In Wenten ist nämlich sogar ein extra Parkplatz für die Voralpen-Wanderer eingerichtet. Und dann geht es eigentlich nur bergauf, zuerst auf Güter- und später auf Forstwegen — wobei diese so gut ausgebaut sind, dass man von Forstautobahnen sprechen kann. Zum Glück kann man sich einige Kehren via beschilderter Abkürzungen sparen. Und dann biegt man auf den Hugo-Zettel-Steig in den Wald ein, allerdings geht es weiter nur bergauf, mal flacher, meist steiler, bis zum Gipfel. Der Gipfel (1770 Meter) selbst ist sogar ein bisschen felsig und durchaus schon alpin — ein gespanntes Seil verbreitet sogar Kletterstimmung. Und beim Gipfelkreuz kommen dann die Wortspieler auf ihre Rechnung: Denn das „Voralpenkreuz“ kennt man ja auch aus den Staumeldungen. Hinab wechselt man dann auf den Kopetzkysteig. Durch die „Luckerte Mauer“ kann man via Dreiländereck auf den Tanzboden (1727) rüber gehen und ins steirische Absteigen. Doch wir mussten wieder zurück … leider ist auf der Voralm nirgends eine echte bewirtschaftete Alm. Und außerdem ist es eigenartig, wenn man einen OÖ-Summit besteigt und eigentlich nur ganz kurz — eigentlich überhaupt nur am Gipfel — in Oberösterreich ist (Detail im Internet bei Doris).
Übrigens bleibt nicht alles gleich: Während ich als Kind das Bergaufgehen scheute und frohlockte, wenn es bergab ging, komme ich nun in ein Alter, wo man die Rückwege fürchtet – ja, von nun an geht’s bergab. Die Knie machten sich bemerkbar und zur Entlastung habe ich mir sogar die Wanderstecken von meinem konditionell fitteren Begleiter ausgeliehen. Zu allem Überfluss war auch das Wetter nicht ideal: Der Nebel machte die sonst ausgezeichnete Aussicht zunichte (laut Erzählungen sieht man das Tote Gebirge, die Rottenmanner Tauern, die Eisenerzer Alpen, das Hochschwabmassiv, die Haller Mauer und vieles mehr vom Gipfel aus) und der Regen vom Vortag den Weg gefährlich rutschig. Und wenn man so durch den Wald rutscht, helfen einem auch die besten Stecken nichts. Aber irgendwann kommt man schließlich doch wieder zum Auto zurück. Und in Hollenstein gibt es dann auch ausreichend Einkehrmöglichkeiten.
Was ich leider nicht herausbekommen habe: Was tat Herr oder Frau Kopetzky, damit ein Steig nach ihm/ihr benannt wurde? Und wer war Hugo Zettel?

Abgefressene Idylle

summitro_01Der höchste Berg des Bezirkes Rohrbach und überhaupt des ganzen Mühlviertels ist der Plöckenstein. 1378 Meter thront er über dem Böhmerwald und dieser hat es sogar zu literarischen Ehren gebracht. Der Wald spielt die Titelrolle in Adalbert Stifters Erzählung „Der Hochwald“. Doch wenn man heute den Berg erklimmt, ist von Wald wenig zu bemerken.

Adalbert Stifter ist ja im Böhmerwald geboren und seine Geschichten spielen oft in dieser Gegend. Der Reiz der Erzählung „Der Hochwald“ liegt weniger in der traurigen Liebesgeschichte, als in der Beschreibung der Landschaft rund um den Plöckenstein, „die Wälder alle dort oben, unermeßlich und undurchdringlich, so dass unsere nur Gärten dagegen sind. Ein schöner, schwarzer Zaubersee soll in ihrer summitro_05Mitte ruhen, und wunderbare Felsen und wunderbare Bäume um ihn stehen, und ein Hochwald ringsherum sein, in dem seit der Schöpfung noch keine Axt erklungen.“ So schrieb Stifter 1842. Heute – 171 Jahre später – sind wunderbare Bäume nicht mehr zu sehen. Wie Gerippe stehen die Bäume kahl in der Gegend, der Borkenkäfer hat Stifters Idylle zerstört. Aber irgendwie hat es seinen Reiz — vor allem für jene Generation, die mit dem Waldsterben aufgewachsen ist. Momentan eignet sich der Plöckenstein zwar nicht als Kulisse für eine romantische Erzählung, aber als Schauplatz für apokalyptische Dramen allemal.

Grenzgänger
Der Plöckenstein ist die höchste Erhebung im böhmischen und österreichischen Teil des Waldes und der höchste Punkt des Mühlviertels und Südböhmens. Wir haben unsere Expedition am Parkplatz in Oberschwarzenberg begonnen. Danach wird man zum Grenzgänger – konkret zwischen Bayern und Österreich. Am Grat oben kommen dann auch noch die Tschechen hinzu, die Folge: ein Dreiländereck. Wendet man sich links, kommt man zum bayrischen Plöckenstein, über dessen Abhang sich das steinerne Meer ergießt, nach ein paar Kilometer kann man im Dreisesselschutzhaus einkehren. Wendet man sich hingegen nach rechts, kommt man zum echten Plöckenstein, der um 18 Meter höher ist als sein bayrischer Namenskollege. Bei Zeit und Lust kann man noch die Abstecher nach Tschechien zum Stifterdenkmal und Plöckensteinersee machen. Die genauen Daten kann man bei DORIS   summitro_04 digital einsehen,summitro_02

Kaiserliche Anlässe

Zehn Jahre liegen zwischen dem Freinberg und dem Sternstein. Denn während der Freinberg seine Franz-Josef-Warte zum 40. Thronjubiläum bekam, hat der Sternstein — die höchste Erhebung im Bezirk Urfahr-Umgebung —, erst den 50. Geburtstag seiner Exzellenz genutzt, um sich einen krönenden Abschluss zu genehmigen.

summitUU_02Aber nicht nur zehn Jahre, sondern auch 720 Meter trennen die beiden Gipfel. Der Sternstein ragt mit seinen 1125 Metern fast dreimal so hoch über das Land wie der Freinberg. Der Großteil des Sternsteins liegt in der Gemeinde Vorderweißenbach, unter anderem das Gipfelkreuz und die Sternsteinwarte. Der schlanke Turm wurde am 22. Oktober 1899 eingeweiht; die Planung stammt vom Architekturstudenten Ferdinand Modl. Aber auch Bad Leonfelden hat Anteil am Berg und sich deshalb den Sternstein ebenfalls ins Gemeindewappen geholt. Und irgendwie gehört der Berg eh der ganzen Region, ist er doch das Herzstück des „Sterngartls“.
Aber nicht nur der Gipfel lohnt, im Wald versteckt findet man auch die Reste einer rund 600 Jahre alten Glashütte, die man 1991 ausgegraben hat. Die Erzeugung von Glas bildete einst ein wirtschaftliches Standbein der Gegend. Auf einer Informationstafel erfährt man Näheres über die Hütte und auch, dass die Pfarre Bad Leonfelden die Archäologen gesponsert hat. Und hat man etwas mehr Zeit und Ausdauer, kann man auch bis zur Schwedenschanze wandern. Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurden zum Schutz gegen einen Schweden-Einfall in Weigetschlag, Roßberg und Rading militärische Schanzwerke errichtet. Der noch existierende Teil der Schanze bildet eine Sperre in der waldfreien Lücke zwischen Sternstein und dem Miesenwald im Osten in einer Länge von 200 m.

Alte Spuren, Neue Wege
Ist man genug gewandert oder erlaubt das Wetter nur einen kurzen Freiland-Aufenthalt, hat man heuer Glück: Die Landesausstellung ist ein regensicheres Highlight. In Bad Leonfelden widmet sich die Ausstellung „Alte Spuren, Neue Wege“ den Themen „Straße — Handel — Verkehr“ sowie „Medizin und Fürsorge“. Das mittelalterliche Bürgerspital sowie das Lederer- und das Forstner-Haus mitten im Stadtzentrum bilden die beeindruckende Kulisse. Und hat man dann noch Zeit, kann man noch die anderen Ausstellungsorte — Freistadt, Vissy Brod und Krumau — besuchen.summitUU_01 Alle Detailinformationen wie immer bei DORIS.