Lost in Hell

Bisweilen ist nicht das Ziel, sondern der Weg das Problem. Typisches Beispiel: Der Grünalmkogel, mit 1821 Metern der höchste Berg des Bezirkes Vöcklabruck. Der Gipfel liegt nämlich mitten im Höllengebirge und ist von überall stundenweit entfernt.

summitvb04Wenn man über das Höllengebirge geht, passiert man etwa in der Mitte fast automatisch den Gipfel des Grünalmkogels, doch sollte man sich dafür auf jeden Fall zwei Tage Zeit nehmen — hatten wir leider nicht. Als Alternative habe ich zum Glück eine vermeintliche Abkürzung gefunden. Der Hirschluckensteig klingt in der Beschreibung gar nicht so kompliziert, doch hat sich diese Wanderung als echter Hatscher herausgestellt und die Regeneration danach dauerte wesentlich länger als zwei Tage.
Wissend, dass dieses Gebirge zur Hölle werden kann, hat mein Bruder sogar ein GPS-Gerät auf diese Tour mitgenommen. Wir sind in aller Herrgottsfrüh zum hinteren Langbathsee gegangen — das GPS-Gerät hat jeden Schritt dokumentiert. Haben auf Anhieb den Einstieg zur Hirschlucke gefunden und sind zu dieser Höhle hinauf gewandert — auch hier hat GPS brav funktioniert. Wir haben sogar das Seil bemerkt, dass einem über die erste Kletterpassage hilft, und haben uns die rote Punktmarkierung entlang nach oben gearbeitet. Doch plötzlich waren die Punkte weg und auch der Akku des GPS-Gerätes leer (übrigens hat sich einige Tage danach ein Wanderer in dieser Gegend so verirrt, dass er vom Hubschrauber abgeholt werden musste). Da man laut Karte aber auf jeden Fall auf den Überquerungsweg (820) treffen müsste, haben wir uns weiter tapfer durch die Latschen gequält und schließlich Stunden später auch den Weg gefunden. Dieser Weg ist übrigens ganz toll markiert und wir erreichten auch den Gipfel des Grünalmkogels (viel leichter findet man den Berg übrigens digital bei DORIS  ).

Missverstandene Grenze
Der zweite Irrtum, der diese Wanderung zum Abenteuer machte, war ein Kartenlesefehler. Denn der eingezeichnete Strich vom Grünalmkogel zum Schafluckensteig war nicht ein Weg, sondern die Bezirksgrenze. Deshalb mussten wir ganz hinab in den Pfaffengraben und auf der anderen Seite wieder hinauf Richtung Brunnkogel. Wir haben uns dann auch aufgrund der einsetzenden Dämmerung entschieden, über das Hochleckenhaus zum Taferlklaussee abzusteigen.
Nach zwölf Stunden des Hatschens und zwei Blasen sind wir schließlich trotz Dunkelheit heil angekommen.

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